Geschichte
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Die Geburtsstunde des Internationalen Lyceum Clubs Im Jahre 1902 lässt sich eine junge englische Künstlerin, Constance Smedley, in London nieder, um sich ihrer Arbeit als Schriftstellerin zu widmen. Sie erkennt schnell die Notwendigkeit, Künstlerinnen und andere geistig tätige Frauen zusammenzuführen, um sie auf diese Weise unterstützen zu können. Unter dem Namen „Lyceum-Club“ gründet sie einen Verein. Im Jahr 1904 übernimmt Lady Francis Balfour, Gattin des berühmten Staatsmannes, das Amt der Präsidentin. Der Name Lyceum geht zurück auf das griechische Lykeion, eine antike Lehrstätte für Geisteswissenschaften und Künste in Athen. Der zweite Lyceum-Club entsteht 1905 in Berlin und begründet damit die Internationalität. Es bilden sich weitere Clubs in Frankreich, Italien, Deutschland, Griechenland, Österreich, Finnland, in den Niederlanden, Schweden, in der Schweiz, im Vereinigten Königreich, Belgien, Australien, Neuseeland, Zypern, Polen, Ungarn, Portugal und Russland. Stand 2006: weltweit ca. 9.000 Mitglieder in 72 Clubs aus 19 Ländern: Australien, Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Niederlande, Neuseeland, Österreich, Polen, Portugal, Russland, Schweden, Schweiz, Ungarn, USA (Philadelphia) und Zypern.
Die Anfänge der Deutschen Lyceum-Clubs Aus Anlass des 100. Geburtstages des Internationalen Lyceum Clubs Hamburg in diesem Jahr sowie der Gründung des Internationalen Lyceum-Clubs Berlin im Jahr 1905, möchte ich im folgenden einen kurzen Abriss über die Anfänge der Lyceum-Clubs in Deutschland geben. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erlebt die Friedensbewegung in Europa eine Renaissance. Sie wendet sich zunehmend fortschrittlichen Ideen wie dem Sozialismus und dem Feminismus zu und organisiert internationale Friedenskongresse als Antwort auf die zunehmenden europäischen Feindseligkeiten. Die Bereitschaft der Frauen, sich selbst zu einem besseren Selbstverständnis und zu geistiger Freiheit zu verhelfen, nimmt konkrete Formen an. Die Geschichte der Deutschen Lyceum-Clubs beginnt am Anfang des 20. Jahrhunderts in London, wo Constance Smedley im Juni des Jahres 1904 den Internationalen Lyceum-Club ins Leben ruft. Und schon ein Jahr später, im November 1905, reist sie zur Gründungsversammlung des Lyceum-Clubs nach Berlin. Obwohl in den europäischen Großstädten bereits Clubs existieren, zu denen ausschließlich Frauen Zugang haben, besteht der Bedarf nach einer besonderen Art von Clubs. Die Besonderheit dieser neuen Clubs ist die Idee von Constance Smedley, „Zentren intellektuellen und künstlerischen Lebens zu errichten und so den geistigen Austausch zwischen kultivierten Frauen aller Nationen zu fördern.“ Den Anstoß zur Gründung des ersten Lyceum-Clubs in Deutschland gibt ein großer internationaler Frauenkongress, der im Jahr 1904 in Berlin veranstaltet wird. Mit Unterstützung der deutschen Kaiserin sollen alle relevanten nationalen und internationalen Frauenverbände vereinigt und zu einem gegenseitigen Austausch angeregt werden. Die in Berlin erscheinende Tageszeitung „Berliner Tagblatt“ schreibt 1904, anlässlich der Vorbereitungen für die Gründung des Berliner Lyceum-Clubs: „Wenn es den Gründerinnen gelingt, ihre Organisation aus allen ideologischen Strömungen und Klassenkämpfen herauszuhalten, könnte diese Bewegung zu einer internationalen intellektuellen Macht werden.“ In Hamburg wird der „Frauenclub Hamburg“ im Dezember 1906 gegründet. Das ist die Geburtsstunde des Frauenclubs, der sich heute mit Stolz „Internationaler Lyceum Club Hamburg“ nennt. In der Satzung von 1906 ist festgeschrieben, dass der Club den Zweck verfolgt, die geistigen, sozialen und materiellen Interessen seiner Mitglieder zu fördern. Ohne sich direkt an dem Lyceum-Club in London zu orientieren, ist der Hamburger Club so weit von den Idealen Constance Smedleys zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht entfernt. Erwähnenswert ist noch, was diese Satzung unter §7. aufführt: „In die Erfrischungsräume können Gäste der Klubmitglieder (auch Herren) kostenlos eingeführt werden.“ An dieser Stelle hat der Frauenklub Hamburg dem Lyceum-Club in London wohl einiges voraus. Im Jahr 1986 erlebt der Hamburger Club einen seiner Höhepunkte. Unter dem Thema: „Neue Perspektiven für die Frauen am Ende des 20. Jahrhunderts“ richtet er den Internationalen Kongress der weltweiten Lyceum-Clubs in der Hansestadt aus. Unter der Schirmherrschaft von Frau Marianne von Weizsäcker, der Gattin des damaligen Bundespräsidenten, nehmen Teilnehmerinnen aus dreizehn Ländern an der Veranstaltung in Hamburg teil. Sie sind begeistert von den gelungenen Veranstaltungen und dem anspruchsvollen Kulturprogramm. So wie in Hamburg, werden auch in anderen deutschen Städten Frauenklubs gegründet, die anfänglich nicht in direktem Zusammenhang mit den Lyceum-Clubs stehen. Schon im Jahr 1902 entsteht der „Kölner Frauenclub“ und 1904 wird in Stuttgart der „Deutsche Frauenclub“ gegründet, der Musikabende, Vorträge und Bazare für seine Mitglieder veranstaltet. Zwischen 1911 und 1949 kommen die Frauenclubs in Aachen, München, Karlsruhe und Konstanz dazu. Auch sie widmen sich der Förderung von Frauen in den Bereichen Bildung, Kunst und Wissenschaft. Zuletzt wird im Jahr 1996 der Club „Rhein-Main“ Mitglied in der Föderation der Deutschen Lyceum-Clubs. Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft in Deutschland und zu Beginn der entbehrungsreichen Jahre der Nachkriegszeit gelingt es starken Frauen, die Clubs unter größten Schwierigkeiten wieder neu entstehen zu lassen. Diesen tatkräftigen Persönlichkeiten gilt unser besonderer Dank, denn sie haben es verstanden, das internationale Vertrauen in die deutschen Frauenclubs wieder herzustellen. Im Jahr 1956 wird der Verband der Deutschen Lyceum-Clubs auf dem Weltkongress in Bern offiziell wieder in die Internationale Vereinigung der Lyceum-Clubs aufgenommen. Zur ersten Präsidentin des Deutschen Verbandes wird die Präsidentin des Hamburger Clubs, Frau Gertrud Behrens gewählt. Auch wenn die Schatten der beiden Weltkriege auf den Anfängen der Deutschen Lyceum- Clubs liegen, so sind sie heute wieder ein geachteter Teil der internationalen Gemeinschaft der Lyceum-Clubs. Wenn ich noch einmal auf die bereits zitierte Aussage von 1904 des „Berliner Tagblatt“ zurückkomme, so kann ich feststellen, dass sich die Internationale Vereinigung der Lyceum- Clubs heute, wenn auch nicht zu einer Macht, so doch zu einer viel beachteten internationalen intellektuellen Bewegung entwickelt hat. Ihr anzugehören erfüllt uns mit Dankbarkeit und Stolz. Christa Glahn, Föderationspräsidentin der Internationalen Lyceum-Clubs in Deutschland
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